Im Ratgeber der Luzerner Zeitung…

…durften wir zum Thema „Blasenentzündung“ einen Beitrag verfassen.

 

Ratgeber

Blasenentzündung im Alter: Was ist die Ursache?

Ich (w, 74) leide seit einigen Jahren an Blasenentzündungen. In jüngeren Jahren hatte ich das praktisch nie. Nun aber ist die Entzündung fast chronisch geworden, Behandlungen mit Antibiotika haben nichts gebracht. Warum kommt es zu Blasenentzündungen im Alter? Was kann man ausser Antibiotika dagegen tun?

Frauen – und zwar sowohl junge wie alte – leiden häufig an Blasenentzündungen. Allein in der Schweiz kommt es deswegen zu rund 200000 Arztbesuchen pro Jahr. Obwohl Blasenentzündungen unangenehm sind, sind die meisten harmlos, und sie verlaufen unkompliziert. Sie äussern sich in häufigem und brennendem Wasserlassen von kleinen Harnmengen, ständigem Harndrang und gelegentlichen Schmerzen oder Druck im Unterleib. Bei leichten bis mässigen Beschwerden hilft es, viel zu trinken. Tritt damit keine Besserung ein, oder kommt es gar zu einer Verschlechterung der Beschwerden, ist ein Arztbesuch ratsam. Meist wird dann ein Antibiotikum verschrieben, das – je nach Präparat – ein bis fünf Tage eingenommen wird und in der Regel rasche Abhilfe verschafft. Die weitaus meisten Blasenentzündungen bei Frauen allen Alters zeigen diesen harmlosen, unkomplizierten Verlauf.

Urinuntersuchung

Ihre konkrete Anfrage beschreibt nun aber eine Situation, die durch das Fortdauern der eben genannten typischen Blasenbeschwerden gekennzeichnet ist, trotz Antibiotikatherapien. In einer solchen Situation wird der Hausarzt als nächsten Schritt eine detaillierte Urinuntersuchung und das Anlegen einer Bakterienkultur veranlassen. Die Behandlung erfolgt anschliessend in Abstimmung mit den Resultaten dieser beiden Untersuchungen. Die Gabe eines Antibiotikums, welches so gewählt wird, dass es optimal gegen die kultivierten Bakterien wirkt, wird dann im Zentrum der Behandlung stehen. Die Sache wird allerdings dann kompliziert, wenn keine Bakterien kultiviert werden können, oder wenn die Beschwerden trotz Einsatz eines nachweislich wirksamen Antibiotikums nicht oder nur kurzfristig nachlassen.

Möglicher Hormonmangel

Die Ursachen dafür können vielfältig sein. Gerade bei älteren Frauen besteht nicht selten eine durch Hormonmangel (mit-)begünstigte Neigung zu Blaseninfektionen. Diese kann durch die lokale Hormongabe in Salben- oder Zäpfchenform (Sexualhormon der Frau) gebessert werden.

Genaue Ursachensuche

Je nach Situation können auch Abklärungen mittels Ultraschall oder weiterführenden Untersuchungstechniken notwendig werden. Da ist dann auch oft der Moment gekommen, um die Urologin oder den Urologen als Spezialisten der Harnwege beizuziehen. Es wird dann in erster Linie darum gehen, Näheres über die Funktion und die Entleerung des gesamten Harntraktes bei der betroffenen Patientin in Erfahrung zu bringen. Eine Möglichkeit ist zurückbleibender Harn in der Blase. Dieser sogenannte Restharn begünstigt das Wachstum von Bakterien und kann dazu führen, dass eine Blasenentzündung schlecht oder gar nicht abheilt. Das sind zwar Ausnahmen, doch auch bei diesen kann es nach einer langwierigen Behandlung noch zu einer markanten Besserung kommen.

Kurzantwort

Die allermeisten Blasenentzündungen sind harmlos und haben einen unkomplizierten Verlauf. Für eine Minderheit von Betroffenen mit zum Beispiel chronisch wiederkehrender Blasenentzündung ist die exakte Ursachenforschung eines Spezialisten wichtig.

 

philipp

Dr. med. Philipp Baumeister
FMH Urologie
Medicum Wesemlin AG, Luzern
www.medicum-wesemlin.ch